Shakespeare Sonett LXIII

ShakespeareWilliam Shakespeare hat sich nicht nur durch seine Tragödien und Komödien unsterblich gemacht, sondern auch durch seine Sonette.

Das Thema dieses Sonett kehrt in fast allen Sonetten, die ich von Shakespeare kenne, wieder auf.

Die Vergänglichkeit der Jugend, der Schönheit. Der grausame Zahn der Zeit - er rafft alle Jugend und Schönheit und Blüte, er rafft alles dahin. Und nichts bleibt von dir, wenn du dich nicht schon zu Lebzeiten auf Erden unsterblich machst.

Kinder können das sein, so Shakespeare oder auch ein Gedicht. Man meint fast, wenn man seine Sonette liest, eben dieses Grauen vor der eigenen Vergänglichkeit hätte ihm zum Dichten angetrieben.

Shakespeare - 1564 bis 1616


Shakespeare Sonette Sonett LXIII

Einst ist mein Freund gebrochen und zerzaust,
Wie heute ich, von roher Zeiten Hand;
Sein Blut vertrocknet, und die Stirne kraust
Sich voller Runzeln, wenn zu rasch entschwand

Sein froher Tag in jähen Alters Nacht.
Und alles, was als König ihm gefront,
Die holden Reize, seines Lenzes Pracht,
Sie schwinden oder sind bereits entthront.

Für jene Zeiten will ich einen Schild
Ihm vor des Alters grausem Messer reichen,
Niemals soll es des Freundes süßes Bild
Aus dem Gedächtnis wie dem Leben streichen.

In diese schwarze Schrift fass' ich ihn ein,
Und so wie sie, wird er unsterblich sein.
(William Shakespeare)