Tucholsky Gedichte: Danach

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Kurt Tucholsky hatte ein nur kurzes Leben. Er selbst hat ihm, 1934, ein Ende gesetzt.

1930 schrieb er ein Gedicht, das mich schon als Kind sehr beeindruckt hat:

Die Freuden des Ehelebens beschreibt -

herrlich sarkastisch -

eben Tucholsky.


Danach

Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sieht bloß noch ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen -
da hat sie nu den Schentelmen.
Na, un denn - ?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja ... diss is ja auch janz nett.
A manchmal möht man doch jern wissn:
Wat tun se, wenn se sich nich kissn?
Die könn ja doch nich imma penn ... !
Na, un denn - ?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar 'n Kind.
Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er Krach. Denn weent se drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...
Na, un denn - ?

Denn ist det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haare:
vorn doof und hinten minorenn ...
Na, un denn - ?

Denn sind se alt. Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit -
Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!
Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beinah nich mehr wahr!
Der olle Mann denkt so zurück:
Wat hat er nu von seinen Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
vabrühte Milch un Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.

Kurt Tucholsky

(1930)

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