Heinrich Heine: Lorelei

Heinrich Heine Lorelei

Die Lorelei von Heinrich Heine. Mit diesem Gedicht hat Heinrich Heine etwas erschaffen, was Gedichte der Neuzeit sonst nur selten vermögen: Einen eigenen Mythos erschaffen.

Die Lorelei von Heine geht auf ein Gedicht von Clemens Brentano zurück. Beide haben den bekannten Rhein-Felsen zum Vorbild. Den Mythos zu diesem Felsen aber erschuf erst Heine mit seinem Gedicht:: Lorelei.

Angst des Mannes vor den Waffen der Frau - ist das Thema der Lorelei. Und doch - ist die Verlockung größer als die Angst. Das Thema von Heines Lebenswerk.


Lorelei

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Das ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei,
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh‘.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.


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